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Tagebuch eines Compositors

Tagebuch eines Compositors

Tagebuch eines Compositors

Tagebuch eines Compositors

17.09.2019

Tagebuch eines Compositors - Er'stor; Beruf: Meister in der Metallverarbeitung; Heimat: Untergrund in der Sonnenwüste

Da ist dieser Bengel schon wieder entlaufen. Dieses Mal konnte ich ihn nicht vorher abfangen. Hat er nicht schon die letzten Male gelernt, dass es für ihn der reinste Selbstmord ist, nach draußen zu gehen? Ich meine, wie dumm kann ein Vierzehnjähriger sein, in die Sonnenwüste zu gehen?

Natürlich, er ist ein Revior und gehört damit nicht zu der schlausten Rasse. Aber dennoch rechne ich ihm wenigstens etwas Verstand zu. Er kennt die Wahnsinnigen. Er weiß, dass er als Revior für sie anfällig ist. Er weiß, dass der Wahnsinnsstern in der Sonnenwüste am Stärksten ist. Und doch denkt er, dass er innerhalb einer Nacht die Wüste verlassen und so dem Wahnsinnsstern entkommen kann. Was, wenn er ausgerechnet in die falsche Richtung läuft oder im Kreis geht? Der Wahnsinn wird ihn umbringen.

Die Wüste verschlingt diesen tollkühnen Möchte-gern-Helden, kaum, dass die ersten Lichtstunden anbrechen. Immer wieder brabbelte der Junge etwas davon, dass er den Adiutor geschrieben hat und von ihnen aufgenommen werden wollte, aber nie eine Antwort erhalten hat. Jetzt will er sie persönlich treffen. Das ist für mich die einzige Erklärung, warum er sich nicht seiner Aufgabe in der Schmiede unterordnen will.

Dummes Kind. Er weiß doch, dass er diesen Bau niemals verlassen darf. Reicht ihm das Beispiel seiner Eltern nicht? Wahnsinnig und tot. Undankbarer Kerl… Ist das der Dank dafür, dass ich ihn aufgenommen habe, als Jeder Angst vor ihm hatte und die Leute kurz davor waren, ihn als wehrloses Kleinkind der Wüste zu überlassen? Vielleicht bin ich auch einfach nur zu alt, um zu verstehen, was in so einem jungen Schädel vor sich geht.

Es ist mir wirklich ein Rätsel, wo er sein soll. Entweder versteckt er sich sehr gut vor mir - aus Angst vor der Bestrafung, da er weiß, wie wenig ich dieses Verhalten dulde - oder aber er ist durch den einzigen Ausgang an die Oberfläche gelangt. Es gäbe zwar noch einen dritten Weg, aber dieser würde noch mehr an Irrsinn grenzen, als ohnehin schon. Sollte sich der Junge in den Warentransporten verstecken, würde dies sein Todesurteil bedeuten. Die Hitze, in der die Ware transportiert wird, oder die direkte Strahlung des Sterns von oben, würde er auf keinen Fall überleben.

Eigentlich sollte es mir gleichgültig sein. Immerhin hat der Junge sein Schicksal selber in die Hand genommen. Vielleicht ist es aber auch das Schicksal seiner Familie, welches nur in der Wüste und im Wahnsinn zu finden ist. Was, wenn ich mich damals, dem Schicksal in den Weg gestellt habe, als der Junge in die toten Hände der Wüste gegeben werden sollte? Habe ich mit meiner Bereitschaft, das Schicksal dieses Buben einfach nur verzögert?

Sofern er nicht wieder auftaucht, werde ich mich mit diesem Gedanken wohl anfreunden müssen…

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Autor: Maria

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