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Tagebuch eines angehenden Novum Auroras II

Tagebuch eines angehenden Novum Auroras II

Tagebuch eines angehenden Novum Auroras II

Tagebuch eines angehenden Novum Auroras II

20.01.2020

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Tagebuch eines angehenden Novum Auroras (ehemalig zugehörig zum Haus Compositor)
Revior; Beruf: angehender Schüler der Novum Aurora Akademie

Was hätte ich erwartet, hätte mich jemand gefragt, was sich hinter den Wasser-Illusionen befand? Ich hätte wohl auf einen Raum für den Empfang von Fremden getippt. Mit einer steinernen, aber sehr schmalen Treppe sicherlich nicht. Die Stufen waren an die Wände des runden Turmes angebracht, so dass sie in der Mitte eine Öffnung freigaben, durch die ich nach oben schauen konnte. Vergeblich versuchte ich ein Ende der Treppen mit den Augen auszumachen. Der Lichtschein weit oben war jedoch so schwach, dass ich mir sicher war, dass der anstrengendste Teil meiner Reise nicht hinter, sondern direkt vor mir lag.

Mein Blick orientierte sich an den Anderen. Würden diese tatsächlich nach oben steigen. „Ist das auch der richtige Weg?“, fragte ich zögerlich, wofür ich erneut nur amüsiertes Lachen erntete. Der Großteil der Gruppe ignorierte meine Frage, stattdessen marschierten sie weiter voran. Nur ein Herr, etwas älter als ich es war, trat zu mir heran. Seine Stimme klang ruhig, jedoch schwang gleichzeitig ein ungeduldiger Unterton mit. „Ihr seid hier für eine magische Ausbildung, habe ich recht? Habt Ihr Euch in der Vergangenheit auch nur einmal mit dem Erlernen und der Ausführung der Magie ausgiebig beschäftigt?“

Gerade als ich erwidern wollte, dass ich mich sehr wohl belesen hatte, unterbrach der Andere mein Wort. „Denkt Ihr etwa, dass die Stufen das Schwierigste sein werden? Wenn Ihr zu schwach seid, diese Treppen zu steigen, dann solltet ihr sofort umdrehen.“ Gleiches tat er auch, jedoch drehte er sich von mir weg und folgte den Anderen nach oben.

Verunsicherter blickte ich erneut zu dem schwachen Licht am Ende der Treppen, woraufhin ein leises Seufzen meine Lippen verließ. Körperliche Betätigung war noch nie meine Stärke gewesen und ich wusste bereits beim Anblick, dass diese Treppen mein Albtraum werden würden. Das unwohle Gefühl und die Stimmen in meinem Kopf, die mir sagten, ich würde es nicht schaffen, versuchte ich zu unterdrücken.

Die Fremden konnte ich nicht mehr sehen, noch ihre Stimmen hören. Wenn ich mich beeilte würde ich eventuell den Herren einholen, dachte ich im nächsten Moment, woraufhin ich die ersten Stufen mit eiligen Schritten nahm. Jene eiligen Schritte hallten immer schwerer durch das Treppenhaus, je länger ich lief. Ich lief Minute um Minute und ich war mir sicher, Stunden gelaufen zu sein. Luft rasselte durch meine Lungen, welche von der Anstrengung schmerzten, meine Beine fühlten sich an wie Steine und meine Gedanken kreisten darum, einfach aufzugeben wovon ich seit meiner Kindheit träumte.

Schließlich stoppten meine Füße an Ort und Stelle, ohne dass ich Kontrolle hierüber hatte und mein Körper sacke erschöpft auf der Treppe zusammen. Ein erneuter Blick nach oben zeigte mir, dass mein bisher zurückgelegter Weg nur ein Bruchteil des Ganzen war. Wenn das der Vorgeschmack auf die Ausbildung war, wusste ich nicht, ob ich den Rest bestehen würde... Was, wenn der Mann eine richtige Einschätzung getroffen hatte, in dem er erkannte, dass ich es nicht wert war, Magier zu werden? Was, wenn ich es nicht würdig war, so wie es meine Familie mir wiederholt nach etlichen Diskussionen entgegen geworfen hatte? Erneut verließ ein frustriertes Seufzen meine Lippen, woraufhin ein ebenso wütender Laut aus meiner Kehle folgte und das Echo widerhallte – oder hörte ich dieses Echo nur in meinen Gedanken? Mir war so schwindelig, dass ich es nicht mehr zuzuordnen wusste.

Ich musste doch etwas wert sein, schoss es mir durch den Kopf. Ich hatte es bis hierhin geschafft, weiter als es alle in meiner Familie erwartet hatten. Und doch scheiterte ich mit dem Ziel vor Augen? Das Gesicht in meinen Händen vergraben, versuchte ich meine Gedanken zu ordnen und die Realität wieder stärker durchdringen zu lassen. Im Zyklus der Wahnsinnssonne war dies kein einfaches Unterfangen, immerhin waren meine Bedürfnisse im Moment stärker als mein Wille. Ich war erschöpft, müde und hungrig. Meine Füße schmerzten. Mein Rücken wollte das schwere Gepäck nicht mehr tragen. Vielleicht sollte ich wirklich umkehren...

Blaue Magie tauchte vor meinem inneren Auge auf, sie tanzten auf und ab, gelenkt von den geschickten Fingern des Magiers, der mir die Faszination für Magie gelehrt hatte. Ich war deswegen hier. Die Bilder. Die Magie. Die Freude, die ich als Kind empfunden hatte. Ich wollte das endlich wieder fühlen! Aufgeben war keine Möglichkeit, andererseits würde ich das Einzige, das mir Vernunft schenkte, für immer aufgeben.

Meine Augen öffneten sich und ich richtete mich trotz meiner Erschöpfung wieder auf. Ich musste nach oben gelangen. Ich musste es einfach schaffen. Ich musste es zumindest versucht haben. Irgendwie würde ich mein Ziel erreichen – und die blauen Wesen begleiteten meinen Weg.

Erneut blickte ich nach oben, in der Erwartung, den schwachen Lichtschein zu sehen – dieses Mal jedoch mit dem Ehrgeiz, dahin zu kommen! Meinem ersten kurzen Blick, folgte ein weiterer längerer, denn was ich sah, ähnelte einer Fata Morgana in der Sonnenwüste. Das Ende war so greifbar, dass ich nur noch wenige Stufen laufen musste. Ich konnte den Himmel und die in die Höhe ragenden Türme der Akademie sehen! Die Lebensgeister kehrten schlagartig zurück in meinen Körper, den ich schnellen Schrittes an das Ende der Treppen führte und mein Herz vor Aufregung so stark gegen meine Brust hämmerte, dass mir das Atmen erneut schwer fiel.

Meine weichen Knie gaben vor Erleichterung nach, doch auf meinen Lippen erstrahlte ein Lächeln, wie ich es lange nicht mehr gezeigt hatte. Ich konnte es nicht glauben. Ich hatte es tatsächlich geschafft. Ich hatte die Akademie erreicht!

Ein weiterer Eintrag folgt…

Autor: Maria

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