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Tagebuch eines Reviors

Tagebuch eines Reviors

13.06.2020

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Tagebuch eines jungen Reviors; aufgewachsen bei einer Gemeinde der Compositoren; Heimat: Untergrund in der Sonnenwüste

Der Alte hatte mich gewarnt, die Tunnel alleine und ohne ausreichendes Wissen über das Gangsysteme zu betreten. Jedoch hatte ich ihm in der letzten Zeit viele Sorgen bereitet, dass ich eine Wiedergutmachung für mehr als angemessen hielt. Ich wollte mich revanchieren, in dem ich ihm und der Gemeinde einige Sporenpilze bringe, welche in den Gängen zu finden waren. Zwar war ich kein geborener Er'stor und der Alte würde es auch abstreiten, aber ich hatte in den vergangenen Jahren viel gelernt. Sporenpilze zu finden und richtig von den Steinen zu lösen, ohne mit ihrem Gift in Berührung zu kommen, konnte ich mittlerweile auch ohne Handschuhe sehr gut.

Die Wände der Gänge waren mit Laternen versehen, aus denen ein schwaches Licht den Weg zumindest etwas erhellten. Meine Augen hatten dennoch Probleme, genug von der Umgebung zu erkennen. Immer wieder stießen meine Fußspitzen gegen aus dem Boden ragenden Steine. Dennoch war ich guter Dinge, die Sporenpilze zu finden.

Ich folgte also dem Gang tiefer ins Innere der Wüste hinein. Hier und da zweigten sich weitere Gänge ab, ich entschied mich aber für den geraden Weg, damit ich wieder zurückfand. Ich wollte mir vor dem Alten nicht auch noch die Blöße geben, dass ich mich trotz seiner Warnung in den Gängen verirrt habe.

„Dein zu Hause ist weit weg...“, hörte ich nach einer gefühlten Ewigkeit der Stille eine Stimme hinter mir sagen, die mich augenblicklich herumfahren ließ. Ich hatte nicht damit gerechnet, um diese Zeit jemanden in den Gängen zu begegnen. Meine Augen erfassten trotz des schwachen Lichtes sofort den Umriss des Fremden. Ein Er'stor?

Vor mir stand ein Mann, etwa einen Kopf größer als ich und seiner Stimme nach auch doppelt so alt. Sie klang kratzig, fast so als wäre Rauchwerk sein stetiger Begleiter. „Woher wollt Ihr das wissen? Seid ihr aus der Gemeinde?“, versuchte ich mit dem wenigen Selbstbewusstsein zu antworten, welches mir nach dem Schreck noch übrig geblieben war. Meine Stimme verriet mich und meine Angst jedoch leider mehr, als ich zugeben wollte.

„Du bist so rein.“, waren die nächsten Worte des Fremden. Zuerst konnte ich nicht zuordnen, ob mich eher die Antwort oder das Näherkommen des Fremden mehr irritierte. Aus dem Reflex heraus, fasste ich an meinen Gürtel nach meinem Messer. Es war weg. „So rein...“, zischte eine weitere, höhere Stimme direkt in mein Ohr. „...und so vernünftig.“

Prompt drehte ich mich zu dem Fremden, verspürte im gleichen Moment jedoch einen stechenden Schmerz in meinem Arm. Warme Flüssigkeit lief über meine Hand, begleitete den Schmerz neben meines lauten Schreies, welcher durch die Tunnelgänge hallte. Mir blieb keine Zeit, zu prüfen, was gerade geschehen war. Ich muss hier weg, brüllte mein Kopf mir innerlich zu. „So vernünftig...“ Der Fremde mit der dunklen Stimme stand mir nun direkt gegenüber, schürte mit seiner reinen Anwesenheit meine Unruhe zu einer Panik. Vollkommen verstand ich die Situation allerdings erst, als der Fremde seine Hand zu meinem Gesicht führte. An dessen Handgelenk klaffte eine offene Wunde. Erst jetzt realisierte ich so richtig, in was genau ich hier geraten war.

Das dumpfe Rumpeln hinter den Tunnelwänden nahmen meine Sinne zwar noch wahr, allerdings hatte in diesem Moment andere Sorgen. Bei den Sonnen, ich musste hier weg! Meine Gedanken rasten, versuchten klar zu werden, doch scheiterte ich kläglich. Ein etwa kopfgroßer Stein rollte in diesem Moment in unsere Richtung, ein zweiter löste sich von der Decke und verfehlte uns drei nur knapp. Diesem folgten viele weitere, was die Fremden jedoch nicht daran hinderte, mich weiterhin zu fixieren.

„Lasst mich los! Wir kommen hier alle um! Die Decke stürzt ein!“, rief ich verzweifelt, versuchte gegen die würgende Hand an meinem Hals anzukommen. Es war sinnlos. Ich wusste, nur ein Wunder konnte mich jetzt noch retten. Entweder starb ich hier und jetzt durch die einstürzende Decke oder durch diese Beiden...

Dass mein Wunder im nächsten Moment durch die Wand des Tunnels brach, hätte ich nie für möglich gehalten. Das untere Teil eines meterlangen Wüstenwurms schlug mit aller Kraft gegen das Gestein und bohrte sich mit einer Leichtigkeit durch die Tunnelwände. Es kam nicht selten vor, dass Wüstenwürmer die Gänge der Compositoren beim Tarnen im Sand zerstörten. Dass so ein Wüstenwurm jedoch dafür sorgen würde, dass der Fremde endlich seine Hand löste und ich mich mit einem Satz zur Seite vor den herunterstürzenden Steinen schützen konnte, damit hätte ich nie gerechnet.

Der Alte hatte all die Jahre Recht. Die Wüste gibt und die Wüste nimmt. In diesem Moment hatte sie mir mein Leben gegeben. Die nächsten Handlungen traf ich intuitiv. Ich rannte so schnell mich meine Beine tragen konnten, stolperte in meiner Angst immer wieder über die herumliegenden und weiter herunterfallenenden Steine, doch rannte ich um mein Leben. Ich musste zurück und die Gemeinde warnen! Das waren keine Revior. Auch keine Er'stor. Und erst recht keine Hochants. Das waren Ex Furor. Die Ex Furor, vor denen mich der Alte all die Jahre gewarnt hatte. Die Ex Furor, zu denen meine Familie geworden ist. Ich musste verhindern, dass die Gemeinschaft das gleiche Schicksal heimsuchte!

Mein Atem rasselte, mein Herz schien sich aus meiner Brust reißen zu wollen, während meine Beine immer schwerer wurden und ich immer öfter ins Stolpern kam. Ich hörte Schritte. Ich hörte Stimmen. Sie waren direkt hinter mir und krochen in meine Gedanken.

Ich bekam keine Luft mehr, meine Brust schien mich umzubringen. Die Stimmen waren so nah. Ich hatte keine andere Wahl, als mich umzudrehen, um mich zu verteidigen. Ruckartig blieb ich stehen und wirbelte herum, bereit, mich zumindest mit meinen Fäusten zu verteidigen.

Ich hörte die Schritte, ich hörte die Stimmen, ich hörte meinen lauten, keuchenden Atem, der durch den engen Tunnel rasselte. Doch da war niemand. Nur ich und das schwache Licht. Aber ich hörte sie doch!, dröhnten die Worte wiederholend in meinem Kopf. Ich hörte sie ganz klar und deutlich. Bei den Sonnen, ich musste hier weg, bevor ich verrückt wurde...

Ein weiterer Eintrag folgt…

Autor: Maria
Bilder: Unsplash, Kevin

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